Dies sind die Ergebnisse der Umfrage zum neuen Film von Douglas Wolfsperger „Der entsorgte Vater“. Text und Daten können auch als PDF heruntergeladen werden (Je nach Browser und Einstellungen zum Herunterladen eventuell den Link mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter..." wählen). Hier geht es direkt zu den Graphiken, die weiter unten auf der Seite stehen.
Wegen der Größe der Graphiken sind diese auf kleinen Bildschirmen nur schlecht zu lesen. Sie können sich das PDF ausdrucken oder die Graphiken getrennt in einem neuen Fenster öfnen: Nicht-Betroffene, Betroffene. Für Ideen, Anregungen, Kritik: umfrage_film@gmx.de.
Im linken Teil sind die Resultate des ersten Laufs zu sehen. Angefragt wurden 10 Personen, die nicht betroffen sind und kein besonderes persönliches Interesse an dem Thema haben. Ich habe sie gebeten, die Umfrage zu verbreiten. Nach ca. drei Wochen hatten 42 Personen geantwortet.
Im rechten Teil sind die Ergebnissse des zweiten Laufs gezeigt. Die Umfrage wurde im Forum von Manndat, auf der Homepage des VAfK Karlsruhe sowie durch dessen Webmaster Henning Riepen (Vielen Dank, Henning!) in den wichtigsten Verteilern bekannt gemacht. Nach ebenfalls ca. drei Wochen hatten sich 84 Personen beteiligt.
Als erstes fällt die beunruhigend niedrige Teilnahme bei Betroffenen auf. Obwohl 67% angeben, das Thema aufmerksam zu verfolgen, haben gegenüber Nicht-Betroffenen nur doppelt so viele Personen an der Umfrage teilgenommen. Das ist besonders enttäuschend, weil über die Verteiler wahrscheinlich Hunderte erreicht wurden. Diese Zahl ist jedoch spekulativ, so dass keine Aussage über den Rücklauf möglich ist.
Keiner der Nicht-Betroffenen hat den Film bisher gesehen, während fast die Hälfte der Betroffenen den Film kannte.
Interessanterweise geben 0% der Nicht-Betroffenen an, dass sie das Thema nicht interessiere. Das sagen immerhin fast 15% der Betroffenen. Erwartungsgemäß ist bei diesen Personen jedoch ein großes Interesse häufig. Über zwei Drittel geben das an, während dies bei Nicht-Betroffenen nur 24% sagten.
Wie häufig kennen die Befragten Fälle, wie sie Wolfsperger in seinem Film schildert? 93% der Nicht-Betroffenen geben an, keinen Fall zu kennen, oder dass dies die Ausnahme sei. Bei den Betroffenen ist die Situation erwartungsgemäß ganz anders: Fast 60% geben an, dass solche Fälle in ihrem Bekanntenkreis häufig seien.
Bedenkt man, dass in der ersten Gruppe vier Personen sehr gute Kenntnisse über den VAfK angaben, ist fraglich, ob diese Personen tatsächlich zur Gruppe der Nicht-Betroffenen gehören. Wahrscheinlich wäre ohne diese Teilnehmer der Anteil bekannter Fälle bei selbst nicht betroffenen Personen noch geringer.
Der Fragblock zu gemeinnützigen Organisationen zeigt, dass Vereine, die sich für (oder gegen) die Männerbewegung einsetzen, bei Nicht-Betroffenen kaum bekannt sind. Das gilt allerdings auch für einen Verein wie Terres des femmes, der trotz eines Millionen-Budgets keine größere Bekanntheit hat als z.B. der VAfK. Es ist bemerkenswert, dass bei dem immer wieder behaupteten Millionen-Heer von Betroffenen kaum jemand die engagierten Vereine kennt. 57% der Befragten können mit dem VAfK nichts anfangen. Für Manndat geben das sogar fast 80% an. Die beiden wichtigsten Interessenvertretungen erreichen also diejenigen nicht, deren Interessen sie vertreten wollen.
Bei Betroffenen ist das Bild ausgeglichen. Die Männerrechts-Vereine liegen mit bekannten NGOs wie Greenpeace oder Amnesty gleichauf bei der Bekanntheit.
Grundsätzlich lassen sich durch solche Umfrage keine Ursachen oder Gründe ableiten. Das gilt vor allem, wenn sich nur wenig Teilnehmer mobilieren ließen. Wir können dennoch versuchen, einige Ideen aus den Zahlen zu gewinnen.
Die immer wieder behauptete Zahl von Millionen betroffener Väter scheint angesichts der Daten aus der Umfrage extrem unwahrscheinlich. Statistisch müssten Nicht-Betroffenen viel häufiger solche Fälle bekannt sein.
Plausibel erscheint, dass Betroffene diesen Anteil als sehr hoch einschätzen, wenn sie sich in der Szene mit anderen Betroffenen austauschen.
Der Film ist bei Nicht-Betroffenen nicht unbekannt. Aber für einen Kinobesuch reichte es bei keinem. Eine kurze Google-Recherche zeigt, dass der Film keineswegs von den Medien ignoriert wurde. Hier die Ergebnisse für verschiedene Filme, die zeitgleich mit „Der entsorgte Vater“ in Deutschland gestartet sind. Gesucht wurde nur auf deutschen Seiten mit dem hier angegebenen Array. Das Resultat gibt die von Google gelisteten Seiten an.
"Königin im Ring" +film
Doku über die bekannteste deutsches Boxerin
Von Google erfasste Seiten: 8
"Die glücklichsten Menschen der Welt" +film
Doku über Menschen in Bangladesh
Von Google erfasste Seiten: 250
"Korankinder" +film
Doku über den Alltag in Koranschulen
Von Google erfasste Seiten: 1.380
"Drifter" +Film
Doku über Süchtige in Berlin
Von Google erfasste Seiten: 2.830
"Der entsorgte Vater" +film
Doku über Benachteiligung von Vätern
Von Google erfasste Seiten: 6.840
"Spielverderber" +film
Doku über Schiedsrichter beim Fußball
Von Google erfasste Seiten: 12.200
"Auf der Suche nach dem Gedächtnis" +film
Doku über einen Neurowissenschaftler
Von Google erfasste Seiten: 21.600
"Drag me to Hell " +film
Mainstream-Horror der B-Kategorie
Von Google erfasste Seiten: 35.500
"Terminator - Die Erlösung" +film
Blockbuster
Von Google erfasste Seiten: 44.100
„Der entsorgte Vater“ ist also recht gut positioniert im Vergleich zu anderen Dokumentationen. Warum haben aber nur 40% der Betroffenen den Film schon gesehen?
Damit kommen wir zum vielleicht wichtigsten Ergebniss dieser Aktion. Warum nahmen so erschreckend wenige Betroffene an der Umfrage teil? In Deutschland sind etwa 3000 bis 4000 Männer als Betroffene oder stark Interessierte in Vereinen organisiert, die sich gegen die Benachteiligung von Männern, Jungen, Vätern engagieren. Es schaffen jedoch nur 84 Personen, sich 5 Minuten Zeit für eine Umfrage zu nehmen? Stehen diese 3000 Männer nur auf dem Papier? Wo sind sie? Die Umfrage bezog sich auf einen von vielen als Meilenstein gefeierten Film. Warum ist das Interesse so gering?
Die immer wieder behaupteten Zahlen von Millionen betroffener Väter sind statistisch zur Zeit nicht haltbar. Die einzigen belastbaren Daten stammen aus hoch-selektiven Kohorten und lassen keinen Rückschluss auf die Gesamtbevölkerung zu.
In einer gemeinsamen Aktion der wichtigsten Vereine ließen sich über Kurzinterviews auf der Straße sehr schnell solide Daten ermitteln. Das Interesse daran scheint jedoch, ebenso wie bei den feministischen Interessenvertretungen, gering zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Strategie auszahlt.
Die Resultate der Umfrage geben deutliche Hinweise darauf, dass die Interessenvertretungen ihre Klientel nicht im gewünschten Ausmaß erreichen. Das zeigt sich auch in seit Jahren stagnierenden Mitgliederzahlen. Der Einfluss auf die öffentliche Meinung dürfte daher auch weiterhin vernachlässigbar bleiben. Auch hier erscheint eine Strategiediskussion dringend nötig.